Niemand glaubt mehr Journalisten? – Falsch. Meinung hat wieder Konjunktur
Miteinander sprechen - ohne Mobiltelefone. Foto: Journalismusblog.de
Miteinander sprechen - ohne Mobiltelefone. Foto: Journalismusblog.de

Niemand glaubt mehr Journalisten? – Falsch. Meinung hat wieder Konjunktur

Die Zahl der Bürger, die den Medien vertrauen, ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Medienwissenschaftler warnen nicht erst heute davor, die Bedeutung sozialer Medien zu überschätzen.

Journalismus, der verstärkt auf Standpunkte und Meinungen setzt, hat wieder Konjunktur. Das hat nicht zuletzt mit dem Internet zu tun, das nicht nur neue Formen des Publizierens, sondern auch der Mediennutzung ermöglicht.

Medien haben in diesem Zusammenhang gerade heute eine stärkere Verantwortung. Ihnen wird mehr Distanz zu den politisch und wirtschaftlich Mächtigen abverlangt.

Leitmedien orientieren sich zu stark am Eliten-Diskurs – das entspricht in der Regel ihrem nachrichtlichen Kernbereich – aber nicht dem Informationsbedarf der breiten Masse.

Tagesschau, oder heute-Nachrichten erwecken nicht selten den Eindruck, Fachmedien von Politikern zu sein als von anderen Leuten unserer Gesellschaft. Die fühlen sich weder von der Politik, noch von den Medien verstanden.

Mainzer Medienwissenschaftler haben in einer bereits 2016 erschienenen Studie festgestellt, dass die Zahl der Bürger, die den Medien vertrauen, in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen sei. Demnach fänden heute 40 Prozent der Deutschen, dass man den Medien in wichtigen Fragen eher oder voll und ganz vertrauen könne. 2008 hatte der Aussage nur knapp jeder Dritte zugestimmt.

Vielleicht werde einigen Bürgern nun stärker bewusst, was man im Vergleich zu anderen Staaten an den Medien und der Pressefreiheit in Deutschland habe. “Große Teile der Bevölkerung haben sich klarer positioniert”, sagt Oliver Quiring, einer der Mainzer Forscher und Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft (Quelle: ZEIT Online, 25.01.2017).

Eine demokratische Öffentlichkeit braucht guten Journalismus. In Zeiten populistischer Stimmungsmache mehr denn je.

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Von
Knut Kuckel
Meine Meinung

2 Kommentare
  • Wieso schließen Sie aus dem wieder angewachsenen medienvertrauen, dass die Bürger mehr dezidierte Meinung hören wollten? Bei mir hat der Hang zur “Meinungstärke”, zum Aufdrängen von Meinungen in der Tagespresse, das Vertrauen in die Medien erschüttert, und entsprechend ist es wieder angewachsen, als viele Tageszeitungen nach der Wahl von Trump und im Umfeld der Bundestagswahl angefangen haben, ernsthaft mit den Bürgern zu diskutieren, und dabei auch bereit waren, sich abweichende Meinungen anzuhören. Ich bin ein mündiger Bürger, auch wenn das noch so altmodisch klingt, und möchte mir meine Meinung selbst bilden.

    • Danke für Ihren Meinungsbeitrag. Ich finde, Donald Trump ist deshalb so erfolgreich, weil er – wie die traditionelle Medien-Maschinerie – seine Tweets auf Skandale und Probleme ausrichtet. In gewisser Hinsicht stimme ich Ihnen zu und meine, dass entsprechende Medien sich solcher Methoden nicht bedienen sollten. Sie können mit konstruktiven Meinungsbeiträgen damit beitragen, dass sich das eines Tages hoffentlich wieder ändert.