40 Prozent der Deutschen hat Vertrauen in die Medien. Foto: Knut Kuckel
40 Prozent der Deutschen hat Vertrauen in die Medien. Foto: Knut Kuckel

Niemand glaubt mehr Journalisten? – Falsch. Meinung hat wieder Konjunktur

Die Zahl der Bürger, die den Medien vertrauen, ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Medienwissenschaftler warnen nicht erst heute davor, die Bedeutung sozialer Medien zu überschätzen.

Journalismus, der verstärkt auf Standpunkte und Meinungen setzt, hat wieder Konjunktur. Das hat nicht zuletzt mit dem Internet zu tun, das nicht nur neue Formen des Publizierens, sondern auch der Mediennutzung ermöglicht.

Medien haben in diesem Zusammenhang gerade heute eine stärkere Verantwortung. Ihnen wird mehr Distanz zu den politisch und wirtschaftlich Mächtigen abverlangt.

Leitmedien orientieren sich zu stark am Eliten-Diskurs – das entspricht in der Regel ihrem nachrichtlichen Kernbereich – aber nicht dem Informationsbedarf der breiten Masse.

Tagesschau, oder heute-Nachrichten erwecken nicht selten den Eindruck, Fachmedien von Politikern zu sein als von anderen Leuten unserer Gesellschaft. Die fühlen sich weder von der Politik, noch von den Medien verstanden.

Mainzer Medienwissenschaftler haben in einer bereits 2016 erschienenen Studie festgestellt, dass die Zahl der Bürger, die den Medien vertrauen, in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen sei. Demnach fänden heute 40 Prozent der Deutschen, dass man den Medien in wichtigen Fragen eher oder voll und ganz vertrauen könne. 2008 hatte der Aussage nur knapp jeder Dritte zugestimmt.

Vielleicht werde einigen Bürgern nun stärker bewusst, was man im Vergleich zu anderen Staaten an den Medien und der Pressefreiheit in Deutschland habe. „Große Teile der Bevölkerung haben sich klarer positioniert“, sagt Oliver Quiring, einer der Mainzer Forscher und Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft (Quelle: ZEIT Online, 25.01.2017).

Eine demokratische Öffentlichkeit braucht guten Journalismus. In Zeiten populistischer Stimmungsmache mehr denn je.

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Von
Knut Kuckel
Meine Meinung

2 Kommentare
  • Sehr geehrter Herr Kuckel,
    leider ist meine persönliche Erfahrung grad ganz anders. Viele Diskussionen enden im Moment mit dem Satz “den Medien traue ich schon lange nicht mehr” bis hin zu dem bösen Wort “Lügenpresse”. Ein Punkt an dem jede vernünftige Diskussion zusammenbricht, denn woher sonst soll ich meine Informationen beziehen? Und immer wieder glauben Menschen den Veröffentlichungen einzelner Personen mehr als der Mehrheit der “öffentlich Rechtlichen”. Ich hätte so gerne an dieser Stelle ein gutes Argument aber leider erscheint mir in dem Moment jede Antwort sinnlos weil ich diesem Argument ja keine “Beweise” entgegenhalten kann, die nicht aus Journalistenquelle stammen.

    • Sehr geehrte Frau Pohl,
      aus heutiger Sicht kann ich Ihre Bedenken durchaus nachvollziehen. Wenn Staatspräsidenten einflussreicher Länder die Arbeit ernsthafter Journalisten öffentlich mit “Fake News” diskreditieren, bleibt das nicht ohne Folgen. Aber gerade in den Zeiten der Corona-Pandemie scheint doch auffällig zu sein, dass sich wieder mehr Menschen den noch als seriös einzustufenden Medien zuwenden. Das macht Hoffnung, finde ich. Unsere Gesellschaft braucht die Mediendebatte. Sie sollte allerdings nicht von Populisten und Autokraten geführt werden, sondern von Menschen, die noch ein Interesse an gutem Journalismus haben. An Medien, die noch offen sind, für Journalismus und sich entgegen dem scheinbaren Mainstream trauen, auf sachlicher Ebene Meinung zuzulassen. Das ist unser aller Aufgabe. Medienkompetenz – meine Meinung – sollte an unseren Schulen vermittelt werden. So früh wie möglich. Ich danke für Interesse.