Bad news are good news – Konstruktiver Journalismus hält dagegen
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"Konstruktiver Journalismus" will aus schlechten Nachrichten gute machen. Foto: Journalismusblog.de
"Konstruktiver Journalismus" will aus schlechten Nachrichten gute machen. Foto: Journalismusblog.de

Bad news are good news – Konstruktiver Journalismus hält dagegen

“Bad news” verkaufen sich einfach oft besser als “good news”. Wenn es um öffentliche Medienkritik geht, ist das eine vorherrschende Meinung. Konstruktiver Journalismus gestattet einen anderen Blick auf das Weltgeschehen. Scheint die Alternative zum Schlagzeilenjournalismus zu sein.

Fernseh- und Radio-Nachrichten, Zeitungen, Magazine und Online-Medien blicken anscheinend ausschließlich auf das Negative. Im Journalistenjargon sprach man früher von „Rot- und Blaulichtthemen“, vergleichbar mit den Inhalten im klassischen Boulevard. Da geht’s vordergründig um Unfälle, Mord und Totschlag. Man erfährt viel über Streiks und Pleiten, Korruption und Skandale, über Krisen, Konflikte und Kriege.

Christin Fink schreibt in der Publikation „Positiver Journalismus“ (Hg. Deutscher Fachjournalisten-Verband / Halem Verlag): „Im Vergleich dazu scheinen Meldungen über Siege, Fortschritt und Wachstum oder gar lobende Worte über gute Politik deutlich rarer. Der Mainstream-Journalismus ist – so macht es den Eindruck – überwiegend negativ.“

Erinnern wir uns in diesem Zusammenhang an Erich Kästner (Schriftsteller und Journalist). Er sagte zum Thema: „Wenn Herr Müller ein anständiger Kerl ist, so will das niemand wissen. Wenn Herr Müller aber Wasser in die Milch schüttet und das Gesöff als süße Sahne verkauft, dann kommt er in die Zeitung.“

Der frühere WDR-Intendant Friedrich Nowottny schrieb 1988 in einem Beitrag: „Journalismus ist für mich vom Grundsatz her kritisch, sonst wäre er belanglos. Gut recherchiert, vollständig bekanntgemachte Fakten.“

Nachrichtenwebsites, Blogs und das Massen-Gezwitscher auf Twitter verstärken sich gegenseitig. Aus einer kleinen Nachrichtenwelle wird schnell ein Tsunami.

Konstruktiver Journalismus ist nicht gleich positiver Journalismus, der sich mehr mit guten Nachrichten beschäftigt und sprachlich mehr freundliche Formulierungen verwendet. Der konstruktive Journalismus schildert auch das Problem, bevor er Lösungen oder Lösungsansätze aufzeigt.

Der Begriff „konstruktiver Journalismus“ wurde im skandinavischen Raum von Journalisten wie Cathrine Gyldensted und Ulrik Haagerup geprägt.

Die traditionelle Medien-Maschinerie sei ganz auf Skandale und Probleme ausgerichtet, kritisiert Ulrik Haagerup, Direktor der Nachrichten im dänischen Fernsehen und Autor des Buchs „Constructive News: Warum bad news die Medien zerstören und wie Journalisten mit einem völlig neuen Ansatz wieder Menschen berühren“.

„Wir denken, die einzigen guten Geschichten sind Geschichten die von Konflikten, Drama, Verbrechern und Opfern handeln. Das ist der Grund, warum zum Beispiel Donald Trump so erfolgreich ist, denn er bedient genau diese Mechanismen, liefert Konflikte, Drama, Verbrecher und Opfer.“

Ulrik Haagerup spielt mit journalistischen Wahrheiten: „Vergessen Sie den Satz ‚Schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten‘. Ersetzen Sie ihn durch ‚Machen Sie schlechte zu guten Nachrichten‘.“

Konstruktiver Journalismus möchte aufklären, analysieren, informieren und gleichzeitig Geschichten erzählen. Geschichten, die dazu beitragen, die Welt ein wenig lebenswerter und zukunftstauglicher zu machen.

Aus der positiven Psychologie ist bekannt: Wenn Menschen ihre Stärken nutzen, sind sie glücklicher und erfolgreicher und stecken andere mit ihren Ideen an. Diesen Prozess möchte der konstruktive Journalismus begleiten und kritisch beobachten.

Journalismus ist aber mehr als das. Journalismus macht aus Nachrichten Geschichten. Die eben auch Lösungen aufzeigen können.

Bleibt schließlich die Frage „Wie machen wir den Journalismus besser?“ – Thema in der Januar/Februar-Ausgabe des DJV-Medienmagazins „journalist“.

„Wenn die Beunruhigung steigt, suchen die Menschen nach Orientierung“, so Georg Mascolo (Leiter des Rechercheverbundes von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung – früher Chefredakteur beim Spiegel): „Es wird geurteilt, bewertet, ausgedeutet, bevor der Sachverhalt überhaupt verstanden werden kann.“ Journalisten müssten sich wieder auf Qualitätsstandards besinnen. „Fragen stellen, Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden, mit den Menschen sprechen. Und einen kühlen Kopf bewahren.“

Beispiele für konstruktiven Journalismus:

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Von
Knut Kuckel
Meine Meinung