Generation Rentnerbank – Alt werden ist keine Schande
Die Rentnerbank polariisiert - viele lieben sie, für andere ist sie ein Symbol für Verachtung. Foto: Knut Kuckel
Die Rentnerbank polariisiert - viele lieben sie, für andere ist sie ein Symbol für Verachtung. Foto: Knut Kuckel

Generation Rentnerbank – Alt werden ist keine Schande

Die Alten fühlen sich gesellschaftlich nicht wirklich wertgeschätzt. Sobald es um Rentenerhöhung oder privilegierte Ruheständler geht, wird die Rentnerbank ins Bild gerückt. Für nicht wenige ein Symbol erfolgreicher Sozialpolitik.

Die Rentnerbank ist in der Regel konservativ besetzt. Das ist Teil ihres umstrittenen Rufes. Wer dort sitzt, mag keine Veränderungen.

Mancherorts ist sie sehr real und steht an prominenten Plätzen. Da sitzen sie, stützen sich auf ihre Stöcke und andere Gehhilfen. Ihnen entgeht nichts. Wer sich vorbeitraut, wird bewertet und begutachtet. Die Rentnerbank steht nicht selten für gelebte Politik.

Lässt es sich nicht vermeiden, eine aktivierte Rentnerbank zu passieren, mache ich das zügig. Nicke halbwegs freundlich und suche das Weite.

Ich lebe in einem Wohlfühlort. Niemand hier käme ernsthaft auf die Idee, öffentlich zu beklagen, dass man nur noch Alte sieht. Jüngere deshalb auswandern oder das Ortsbild Schaden nimmt. Alt und Jung leben bei uns daheim in friedlicher Koexistenz. Man profitiert voneinander. In jeder Hinsicht.

Das sollten sich mal unzufriedene Jammerländler anderer Regionen anschauen, die über eine Überalterung der Gesellschaft schimpfen. Etwa so: „Wenn ich zum Einkaufen gehe, sehe ich nur Rentner mit Rollatoren. Schrecklich.“

Das untermauert noch ein Experte, der die „Vergreisung der Städte“ mit Zahlen belegt. Und fertig ist die Schlagzeile. „Städte vergreisen, Dörfer verwaisen.“

Ich will gerade am Frühstückstisch in meine Semmel beißen, da lese ich, der demografische Wandel treffe Städte und Gemeinden mit voller Wucht. Das haut rein. Selbst die Milch für den Kaffee macht schon einen säuerlichen Eindruck.

Jemand schreibt zum Thema: „Alt werden ist keine Schande, aber das Altwerden nicht akzeptieren schon.“ Da ist was dran. Aber das ist alles nichts für den Frühstückstisch.

Ich versuche, auf andere Gedanken zu kommen. Die Sache geht mir aber nicht mehr aus dem Kopf.

Inzwischen selber erfolgreicher Kandidat für die Rentnerbank, fordere ich mein Erinnerungsvermögen heraus. Wie war das denn damals, bei mir? Mit den Freunden? Waren die Alten ein scheinbar so dominantes Thema, wie das bei den Jüngeren heute zu sein scheint?

Mir fällt ein, darüber nachgedacht zu haben. Als ich aus heutiger Sicht noch jung war. Die Erinnerungen kehren zurück.

Schon mit 30 hoffte ich auf Mitgefühl im Bekannten- und Freundeskreis, weil ich dachte, jetzt gehts bergab. Du wirst alt. Erinnern wir uns? „Trau keinem über 30?“ – das war der passende Spruch aus den 60er/70er Jahren. Daran denkend, muss ich schmunzeln und lege in meinem Gedankenspiel noch mal zwanzig Jahre drauf.

Am Morgen meines 50. Geburtstages dachte ich, jetzt hast Du das halbe Jahrhundert erreicht. Spätestens bei derartigen Überlegungen fühlt man sich wirklich alt. Uralt.

Den 50er habe ich im Kreise wirklich guter Freunde gefeiert. Wir haben geredet. Über Journalismus, die Medien, über unsere Ansichten dazu. Das Älterwerden war kein Thema.

In der Sprache mancher junger Leute, ist man ab Fünfzig nur noch „Staub“. Ich finde, das ist ein sehr oberflächlicher Humor, denn das Älterwerden hat bekanntlich viele Vorteile. Denken wir doch mal gemeinsam ein wenig darüber nach.

Man muss niemanden mehr beeindrucken. Kann sich ganz entspannt den Dingen widmen, die einem wirklich liegen. Alt werden ist keine Schande. Im Gegenteil.

Und ein kluger Politiker – solche soll es ja in bescheidenem Umfang geben – würde sagen, „ich muss nicht mehr gewählt werden“.

Einen Berater für den Ruhestand brauche ich heute ebenso wenig, wie die Rentnerbank. Die berühmteste steht übrigens auf der Nordsee-Insel Norderney. Es passt offenbar gut zur ostfriesischen Mentalität, das Altwerden auf einer prominent besetzten Rentnerbank in aller Öffentlichkeit zu genießen.

Bei uns tun die Menschen am Tage immer irgendwas. Entweder sanieren sie ihre Häuser, putzen die Mülltonnen, mähen ihre Weiden, reparieren Zäune oder legen Wandersteige im Gebirge an.

Ich mache es auf meine Weise. Verzichte auf mein Frühstück und schreibe Bauchgeschichten. Heute über die „Generation Rentnerbank“.

Der Segler würde sagen, immer hart am Wind. Für mich passender wäre, wer schreibt, der bleibt.

...danke für's WeitersagenTwitterFacebookPinterestWhatsAppE-Mail
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