Der Deutsche Journalisten-Verband feiert Geburtstag – Ein Hoch den 70-Jährigen
„Eine lebendige Demokratie braucht eine unabhängige Presse“, schreibt die Kanzlerin und gratuliert zum DJV-Jubiläum. Foto: Knut Kuckel
„Eine lebendige Demokratie braucht eine unabhängige Presse“, schreibt die Kanzlerin und gratuliert zum DJV-Jubiläum. Foto: Knut Kuckel

Der Deutsche Journalisten-Verband feiert Geburtstag – Ein Hoch den 70-Jährigen

Der Deutsche Journalistenverband feiert seinen 70. Geburtstag. Der Geburtstag fällt auf den 10. Dezember. Das Gründungsjahr 1949 forderte die junge Demokratie in Deutschland. Es steht für den Kalten Krieg, aber auch für Aufbruch.

Matthias Daniel (Chefredakteur vom Medienmagazin journalist) schreibt: „Zwölf Landesverbände gab es damals schon, der erste, die Berufsvereinigungen Hamburger Journalisten, existiert schon seit November 1945. Ihr Vorsitzender, Erich Klabunde, wird auch der erste Vorsitzende des DJV-Bundesverbands. Ein Meilenstein.“

Erstes DJV-Ehrenmitglied des DJV war Theodor Heuss. Nur wenige Wochen vor der Gründung des Deutschen Journalisten-Verbandes in Berlin, wurde der frühere Journalist Bundespräsident der noch jungen Republik. Theodor Heuss damals: „Von Haus aus bin ich, und zwar sehr bewusst, Journalist.“ Theodor Heuss war Schwabe und Zigarrenraucher.

Matthias Daniel beschreibt die legendären Fotos jener Zeit: „Männer in dunklen Anzügen und mit akkurat gebundenen Krawatten. Zigarren, Aschenbecher und Blümchen auf dem Tisch.“

Ein Hoch auf die heute 70-Jährigen. Das Jahr 1949 steht für den damaligen Aufbruch. Menschen mit 70 genießen in der Regel ihren Ruhestand. „Vom Grundgesetz wünsche ich mir das nicht“, schreibt Heribert Prantl. „Zwölf Sterne für das Grundgesetz“ lässt er in seinem Buch über die Grundrechte leuchten. Das Grundgesetz lese sich nicht wie ein Poesiealbum schreibt Prantl, “es ist so karg wie die Zeit, in der es formuliert wurde.”

Heribert Prantl: „Zwölf Sterne für das Grundgesetz“

Zu den heute 70-Jährigen gehören auch die Deutsche Presse Agentur (dpa), die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), der öffentlich-rechtliche NWDR und die Bundespressekonferenz.

Ein unabhängige Presse braucht auch Journalisten, die sozial abgesichert sind. Für den Aufbau des Versorgungswerks der Presse setzte sich in diesem Sinne Dietmar Oppenberg ein. Von der britischen Besatzungsbehörde erhielt Oppenberg die Lizenz für das Rhein-Echo (Düsseldorf) und die Neue Ruhr Zeitung (Essen). Am Ende des ersten Geschäftsjahres konnte das Presseversorgungswerk schon auf die Abschlüsse von 6.600 Verträgen verweisen. 1965 hatte sich die Anzahl verdreifacht.

Mit der Gründung der FAZ sind die Namen Erich Welter (früherer Chefredakteur der Vossischen Zeitung) und der spätere Wirtschaftsminister Ludwig Erhard verbunden. Im Gesellschaftervertrag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung stand ganz oben „Die Frankfurter Allgemeine Zeitung ist in voller Unabhängigkeit von Regierungen, Parteien und Interessensgruppen auf freiheitlich-staatsbürgerlicher Grundlage zu führen.“

Markenzeichen der FAZ ist bis heute die Werbekampagne „Dahinter steckt immer ein kluger Kopf“, für die als erster Prominenter der frühere WDR-Intendant Friedrich Nowottny seinen Kopf hingehalten hatte.

Briten und Amerikanern ist unser gesellschaftskonformes Rundfunkmodell im Nachkriegsdeutschland zu verdanken. Als erste öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt wurde schon 1948 der NWDR lizenziert. Die ARD wurde erst am 10. Juni 1950 gegründet.

Die Westalliierten wollten in Deutschland einen Rundfunk aufbauen, der die Demokratisierung vorantreibt. Der Rundfunk sollte unabhängig von Partei- und Kommerzinteressen sein. Erster Generaldirektor des NWDR war Adolf Grimme.

„Die Pflege der objektiven Nachricht und die Unabhängigkeit von jeder staatlichen, parteipolitischen und wirtschaftlichen Interessensgruppe werden das Merkmal der neuen Agentur sein.“ Das versprach die dpa in ihrer ersten Meldung.

Die Deutsche Presse-Agentur wurde am 1. September 1949 in Goslar gegründet. Sie war Teil einer Fusion von drei Nachrichtenagenturen: der Dena (Deutsche Nachrichtenagentur) der Südena (Süddeutsche Nachrichtenagentur) und des dpd (Deutscher Pressedienst).

Bereits am 12. April 1950 hatte der DJV mit der dpa einen Redakteurstarif abgeschlossen – für den DJV der erste Tarifabschluss in der jungen Bundesrepublik.

Die von Journalisten organisierte Bundespressekonferenz ist seit 1949 weltweit noch eine Besonderheit. Besetzt mit Spitzenvertretern aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Gastgeber sind die Journalisten. Sie bestimmen die Spielregeln. Journalisten entscheiden, wer eingeladen wird, welches Thema wichtig ist, wie viel Zeit es für Fragen und Antworten gibt. Symbol einer freien und selbstbewussten Presse. Seit 70 Jahren.

Bundeskanzlerin Angela Merkel gratuliert mit den Worten „Eine lebendige Demokratie braucht eine unabhängige Presse“. Journalistinnen und Journalisten könnten in Deutschland frei von staatlicher Einflussnahme recherchieren und berichten. Presse- und Meinungsfreiheit seien aber wie die Demokratie niemals selbstverständlich, so die Kanzlerin. „Sie sind immer wieder aufs Neue zu verteidigen.“

Vorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV) bleibt Frank Überall

Der Medienwissenschaftler wurde bei einem Verbandstreffen in Berlin von 80 Prozent der rund 220 Delegierten bestätigt. Der in Köln ansässige Überall hatte keinen Gegenkandidaten. Der Dozent der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft (HMKW) in Köln ist seit vier Jahren Vorsitzender des größten deutschen Journalistenverbandes. Vor zwei Jahren war er mit 85 Prozent wiedergewählt worden.

In seiner Rede kündigte Überall an, den Erhalt der Pressefreiheit als eine der wichtigen Aufgaben zu sehen: “Wenn Rechtspopulisten in der Systempresse ihren Feind sehen, dann nehmen wir diesen Kampf auf. Ja, ich bin für das System Demokratie. Ja, ich kämpfe mit Leidenschaft und Herzblut für die Pressefreiheit innerhalb dieses Systems.“

Der DJV hat nach eigenen Angaben rund 33.000 Mitglieder.

Quellenhinweis: Das Medienmagazin journalist

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Meine Meinung

1 Kommentar
  • Ich bin jetzt seit ca. 1981 Mitglied im DJV. Das sind jetzt schon 38 Jahre. Anfangs folgte ich als junger Volontär dem Rat älterer Kollegen, die im DJV waren, um bei Bedarf, den Rechtschutz in Anspruch nehmen zu können. Als Einsteiger war ich im DJV-Landesverband Nordrhein-Westfalen, am längsten beim DJV-Hessen und seit neuestem bin ich bei den bayerischen Kolleginnen und Kollegen im BJV. Ich schätze am DJV, dass der Verband und seine Mitglieder nie stehen geblieben sind und sich den Herausforderungen der Zeiten immer gestellt haben. Für Journalisten waren und sind die Zeiten immer rau. Ich empfehle in diesem Sinne die Lektüre der aktuellen journalist-Kolumne von Frank Überall („Ach, das ist ein Beruf?“). Meine Gratulation dem DJV zum Jubiläum. Bin ein wenig stolz darauf, mehr als die Hälfte der Zeit Mitglied zu sein.